Letztes Update: 26. April 2024, 21:05
Das Postauto-Liniennetz westlich der Stadt Bern hat sich in den letzten Jahren stetig verändert; nebst verschiedenen Linienwechseln haben auch Betreiber und PU gewechselt. Mit der Einführung des S-Bahn-Haltest beim neuen «Westside» in Bern Brünnen wurde beispielsweise per Dezember 2008 die einstige Regionallinie Bern – Mühleberg auf den Abschnitt Brünnen¬ – Mühleberg eingekürzt, und ein Teil der Leistungen von Regie bzw. Steinerbus an die Firma Klopfsteinbus abgegeben. Im Frühling 2017 gab die Firma dann ihre PostAuto-Leistungen dann wiederum an die Regie ab. Auf dieser Aufnahme vom Sommer 2014 verlässt einer der beiden Hess-Standardbusse mit Anhängerkupplung den Tramwendeplatz Brünnen über die nur für PostAuto nutzbare Seitenstrasse. Die Poller werden in Kürze automatisch abgesenkt und ermöglichen dem Bus die direkte Ausfahrt aufs Land.
Nach Brünnen beginnt sogleich die Steigung über die gut ausgebaute Kantonsstrasse hinauf nach Frauenkappelen, auf dem Hügelzug zwischen Gäbelbach und Aaretal gelegen. Sofort wird die Gegend ländlich, während im Hintergrund noch die Ausläufer der Stadt Bern mit dem Westside als Markantem «Schlusspunkt» zu sehen sind.
Nach der Durchfahrt durch Frauenkappelen verzweigt sich die Linie – die stündlichen Kurse des Grundtaktes fahren über schmale Nebenstrassen eine Schlaufe über Oberei und Buttenried – und gelangen so in die Nähe des ehemaligen Kernkraftwerks Mühleberg, 1972 als zweites in der Schweiz erbaut und 2019 als erstes abgeschaltet – wobei bis zur eigentlichen Stilllegung der hochradioaktiven Anlage noch einige Jahre vergehen werden. Das nahe Kraftwerk dürfte durchaus mitgespielt haben beim Erhalt der Kulturlandschaft, die der ansonsten im Mittelland üblichen Verhäuselung zumindest etwas weniger stark ausgesetzt war.
Die zusätzlichen Kurse in der Hautpverkehrszeit – es wird bis zu 3x pro Tag gefahren – nehmen hingegen ab Frauenkappelen den direkten Weg über die Kantonsstrasse nach Mühleberg; das Dorf selbst wird von der Hauptstrasse direkt durchquert; hier unweit der Haltestelle Dorf.
Endpunkt der Linie 570 ist dann bei der Haltestelle Post, die etwas ausserhalb des Dorfkerns liegt. Ab hier führt eine Midibuslinie weiter zum Bahnhof Rosshäusern, die bis Ende 2009 noch durch die Sensetalbahn als PU bedient wurde, danach ebenfalls bis 2017 durch PU Klopfstein. Inzwischen wurde die Linie verlängert…
…bis Steinriesel, etwas ausserhalb des Dorfes gelegen. Die dortige Wohnsiedlung mit rund 70 Wohnungen wurde 1973 für die Mitarbeiter des Kernkraftwerks gebaut und ist heute ein «normales» Wohnquartier, wenn auch für die ländliche Umgebung etwas sehr städtisch wirkend.
Die Linie 570 ist in erster Linie ein «Ortsbus» für die zahlreichen Weiler der Gemeinde Mühleberg, und fährt mittels verästelter Linienführung durch die landwirtschaftlich geprägte Landschaft – hier zwischen Steinriesel und Mauss; zu Fuss ist man von hier in 10 Minuten beim Endpunkt in Mühleberg, der Bus braucht aber noch gut 10 Minuten, um über Mauss und Kleingümmenen seinen Endpunkt zu erreichen.
Am Bahnhof Rosshäusern ist hier ein MAN-Midibus von PU Klopfstein zu sehen. Die Linie hat eine lange Geschichte und wurde über die Jahre verschiedentlich aus- und wieder abgebaut. Heute fährt der Bus wieder nur noch von Montag bis Freitag morgens, mittags und abends – aber immerhin mit einem «richtigen» Midibus und nicht, wie noch zu Sensetalbahn-Zeiten, teilweise mit Kleinbus.
Die Buslinien 550 (Laupen – Gümmenen) und 130 (Thörishaus – Neuenegg) wurden bis Ende 2009 direkt durch die Sensetalbahn in Eigenregie betrieben und führen auch parallel zu deren einstigen Bahnlinie (welche heute nur noch zwischen Flamatt und Laupen bedient und durch die BLS betrieben wird). Am Bahnhof Laupen wartet ein Citaro der Regie Laupen auf die Abfahrt nach Düdingen – die Anlage wurde Ende 2022 eröffnet, um den bisherigen, im Dorfzentrum liegenden Bahnhof für andere Projekte nutzen zu können. Der neue Bahnhof bietet auch Platz für ein Park-and-Ride und einen behindertengerechten Busbahnhof.
Auf der Fahrt nach Gümmenen können die Busse, im Gegensatz zur einstigen Sensetalbahn, auch die kleineren Dörfer und Weiler ausserhalb des Talbodens bedienen, so z.B. Kriechenwil und Gammen. In letzterem Weiler ist dieser Citaro unterwegs Richtung Gümmenen, bevor er über eine steile Nebenstrasse wieder den Talboden erreicht.
Kurz vor der Endhaltestelle beim Bahnhof Gümmenen folgt dann auch noch der Weiler Kleingümmenen, wo dieser Citaro durch die enge Ortsdurchfahrt dem Bahnhof entgegen kurvt. Der Weiler ist, genauso wie der Bahnhof Gümmenen, Teil der grossen Gemeinde Ferenbalm, während das eigentliche Dorf Gümmenen, gleich ennet der Saane gelegen, Teil der Gemeinde Mühleberg ist.
Bis im Dezember 2018 wendeten die Busse aus Laupen jeweils in Gümmenen. Heute fahren die Busse als Linie 551 weiter nach Gurbrü und Ferenbalm, um die weggefallenen Halte am einstigen BLS-Bahnhof Ferenbalm-Gurbrü zu kompensieren. Die Laupener Busse gehören inzwischen nicht mehr zu PU Klopfstein, sondern werden von der Regie ab der früheren Klopfstein’schen Garage betrieben; so auch dieser Citaro, welcher soeben die Nummer gewechselt hat und nun die Fahrgäste von der S-Bahn aus Bern Richtung Gurbrü aufnimmt.
Da die neue Linie mehrheitlich über Nebenstrassen führt, welche im Winter erst in zweiter Priorität geräumt werden, sind relativ grosszügige Fahrzeiten eingeplant. Im Sommer entsteht so trotz Rundkurs eine längere Standzeit bei der Endstation Gurbrü Schulhaus. Der Vormittägliche Kurs ist direkt gekommen und fährt sogleich über Jerisberghof und Ferenbalm zurück zum Bahnhof Gümmenen; nachmittags wird die Linie in umgekehrter Richtung befahren.
Im Durchlauf mit der Linie Laupen – Düdingen und Düdingen – Kerzers / - Murten gelangen auch Fahrzeuge von PU Wieland, Murten, auf die neue Linie 551. Der Setra 415NF hat die Haltestelle Ferenbalm Dorf bedient und fährt nun durch das enge Tälchen der Bibere entlang zum Dorf Biberen; dieses wird bereits länger durch den ÖV bedient, nämlich durch die TPF-Kleinbuslinie Murten – Gümmenen, welche nur Mo-Fr in der Hauptverkehrszeit befahren wird.
Auch das Dörfchen Gurbrü wird schon länger mit Bussen an die Aussenwelt angebunden, nämlich mit der Linie 541 Kerzers – Golaten – Gurbrü – Kerzers. Der Rundkurs wurde bis 2009 wiederum durch die Sensetalbahn bedient; der Van Hool A309 diente bereits der Sensetalbahn als (Postauto-) Fahrzeug für die Linie 560 und wurde durch Klopfstein übernommen. Hier wartet er am Bahnhof Kerzers auf die Abfahrt.
Genau wie die neue Linie 551 ist auch die Linie 541 ein Rundkurs, sie bedient die Strecke Kerzers – Golaten – Wileroltigen – Gurbrü – Kerzers. Die Dörfer liegen direkt an der Autobahn A1 von Bern Richtung Genf, welche allerdings für keines der Dörfer eine Ausfahrt hat – so hat sich auch das Wachstum der Dörfchen in Grenzen gehalten. Im Bild ist wiederum MAN Nr. 13 unterwegs – kurz darauf durch einen Solaris-Midibus ersetzt – er passiert das Dörfchen Wileroltigen, das hart an der Kante zum tief eingeschnittenen Tal der Saane liegt.
Die Linie 130 beginnt und endet am Bahnhof Thörishaus der SBB. Die einst als Thörishaus Dorf eröffnete Haltestelle wird von den S-Bahnen S1 (Thun – Bern – Fribourg) und S2 (Langnau – Bern – Laupen) bedient; die Buslinie bindet i.d.R. an die S1 an…
…und fährt dann parallel zur S2 auf der anderen Seite der Sense nach Neuenegg und Laupen, wobei auch die durch die S-Bahn nicht bedienten Quartiere und insbesondere der grosse Campingplatz an der Sense in Thörishaus bedient wird. Der MAN A20, der einzige, der vor der Übergabe an die Regie noch zu PU Klopfstein gelangte, ist unterwegs zwischen dem Weiler Stucki und dem Campingplatz in Richtung Neuenegg.
Nur wenige Kurse fahren ab Neuenegg, hauptsächlich aus betrieblichen Gründen, weiter nach Laupen. In der Regel pendelt aber ein Bus halbstündlich zwischen Thörishaus und Neuenegg, wo die Busse nach dem Bahnhof im Industriegebiet Louelmoos enden. Der Bus hat dort bereits gewendet, die beiden Bahnübergänge über die S2 passiert und fährt nun durch das damals (2017) frisch sanierte Dorfzentrum gegen Thörishaus.