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62.330/352 Berglinien Gambarogno (Indemini, Collina)

Letztes Update: 1. November 2023, 9:49

Das Gemeindehaus Magadino ist Ausgangspunkt für zwei Buslinien, welche den Nordwesthang des Monte Gambarogno bedienen. Da es sich bei beiden Strecken um relativ schmale Berglinien handelt, werden auch entsprechende Fahrzeuge benötigt – während über 10 Jahren waren dies zwei Neoplan N312K von PU Martignoni, welche hier hintereinander auf die Ankunft des Anschlusskurses aus Cadenazzo warten; inzwischen sind die Berglinien Sache der PU Domenighetti aus Indemini und Chiesa aus Riazzino, und es wird selbstverständlich niederflurig gefahren.

Die (inzwischen zusammengebauten) Nachbardörfer Magadino und Vira werden von den Buslinien in voller Länge durchfahren; dabei wird auch der gemeinsame SBB-Bahnhof Magadino-Vira bedient, der heute immerhin wieder zweistündlich mit der TILO-S30 bedient wird – wenn die Linie denn gerade nicht wieder während mehrerer Monate für Bauarbeiten gesperrt ist. Zu sehen ist ein MB Vario auf der „Collina“-Linie nach Gerra; in den Schulferien und bei schlechtem Wetter am Wochenende reicht dieser Midibus für die wenigen Reisenden problemlos aus, und so wurde er 2021 auch noch durch den Nachfolge-PU Chiesa übernommen.

Die „Collina“-Linie bedient die Dörfer am unteren Teil des Berges, welche durch die Bahn nicht angebunden werden. Nach einer kurzen Bergfahrt aus Vira erreichen die Busse, hier ein Neoplan 312K, als erstes den Weiler Scesana, zwischen den Dörfern Fosagno und Piazzogna gelegen…

…und fährt dann über die Dörfer Piazzogna, Vairano und Casenzano weiter ungefähr auf gleicher Höhe. Dabei sind teils auch engere Ortsdurchfahrten zu befahren, hier bei der Kirche Vairano. Kaum noch existent sind Baulücken am Hang – die einst für Felder gerodeten Waldlichtungen sind trotz Nordlage (und kaum Sonnenschein im Winter) fast vollständig mit Villen überbaut, während sich die einstigen Dorfkerne auf wenige Häuser beschränkten.

Als letztes Dorf „im ersten Stock“ wird Ronco (Gambarogno) bedient, bevor ein kurzer, aber steiler Abstieg zurück ans Seeufer ansteht – die Endstation der Linie liegt beim Bahnhof Gerra (Gambarogno), wobei in der Regel kein Anschluss mit der Bahn hergestellt werden kann. Auf der Rückfahrt ist hier ein Neoplan N312K zu sehen - mit Blick auf das Maggia-Delta mit Ascona (links) und den Siedlungsbrei von Locarno, Muralto und Orselina (rechts). Inzwischen wurden die hier eingesetzten Neoplans durch Hess-Bergbusse ersetzt.

Die zweite Buslinie wird deutlich seltener bedient und führt deutlich weiter bergwärts bis Indemini – doch zuerst fährt auch sie eine Schleife entlang der Collina, wo sich nach San Nazzaro am Seeufer die höher gelegenen Dörfer Vairano, Piazzogna (hier im Bild) und Scesana bedient.

Erstes nur noch von der Linie 326 bedientes Dorf ist Fosano, das ebenfalls noch Teil des durchgehenden Siedlungsbandes der „Collina“ ist. Hier ist ein sehr gut ausgelasteter Hess-Bergbus voll mit Wanderern unterwegs bergwärts vorbei an der alten Herberge bergwärts; mit der um 2020 erfolgten Übernahme der gesamten Linie nach Indemini werden hier üblicherweise Solaris-Midibusse eingesetzt, seit 2021 ergänzt durch zusätzliche Kleinbus-Kurse, welche nur den Abschnitt Fosano – Magadino befahren.

Diese Kleinbusse fahren ab Magadino weiter über eine kurze, schmale Bergstrasse ins Dörfchen Orgnana, welches bis anhin ohne ganzjährigen ÖV-Anschluss war. Ob sich die kurze Fahrt lohnt, wird sich noch zeigen müssen, denn auch hier sind wie an allen schönen Aussichtslagen des Tessins zahlreiche Häuser als Zweitwohnsitze in Betrieb. Der Sprinter hat nach kurzer Bergfahrt den für die Schulbusse ohnehin bestehenden Wendeplatz erreicht…

…und wird kurz darauf wieder talwärts fahren, unter anderem vorbei an der Kirche San Carlo Borromeo. Unterhalb der Bahnlinie sind bereits die wartenden Busse Richtung Collina zu erkennen; Locarno am gegenüberliegenden Seeufer wird mit einem Schiffsanschluss erreicht.

Doch zurück zur Berglinie nach Indemini. Im Sommer werden zusätzliche, optimal auf Wanderer abgestimmte Kurspaare gefahren, in früheren Jahren jeweils durch PU Martignoni ab Vira mit einem Hess-Bergbus. Hier ist das Fahrzeug unterwegs mit der nachmittäglichen Bergfahrt nach Indemini und passiert den in einer Lichtung des ansonsten dichten Kastanienwaldes gelegen Ort Monti di Fosano auf 700 Metern über Meer – immerhin liegen schon 500 Höhenmeter hinter dem kleinen Kraftpaket.

Die ganzjährigen Kurse (Lange zeit nur 4 pro Tag, am Wochenende noch deren 2) werden vom in Indemini ansässigen PU Domenighetti gefahren, welcher dafür lange Zeit Kleinbusse wie diesen Cacciamali Thesi einsetzte (heute ist ein Solaris Urbino 8.9LE Kursfahrzeug). Für die wenigen ganzjährigen Bewohner reichte dieses Fahrzeug gut aus, und es kann auch noch einige Wanderer zusätzlich aufnehmen. Hier auf Talfahrt auf der eindrücklichen Rampe der Alpe di Neggia…

…welche die rund 700 Höhenmeter oberhalb von Fosano mit 18 engen Kehren überwindet und dabei durch einen praktisch unbewohnten Waldkessel führt. Die Strasse stellt die Schneeräumer immer wieder vor grosse Probleme und bei grossen Neuschneemengen stellen auch Lawinen eine ernstzunehmende Gefahr dar. Hier zwei Aufnahmen aus dem Archiv des PostAuto-Unternehmers, einmal auf Bergfahrt durch einen Lawinenkegel…

…und einmal bei der Passhöhe der Alpe di Neggia, dem mit 1391 m.ü.m. höchsten Punkt der Linie und dem Ausgangspunkt für die kürzeste Wanderung zum Monte Gambarogno. Im Winter stehen hier auch Skilifte zur Verfügung, welche allerdings vor allem von der einheimischen Bevölkerung genutzt wird – für die wenigen Reisenden vom und ins Tal reicht dann auch ein Kleinbus problemlos aus, wofür in den letzten Jahren jeweils ein hochfluriges Occasions-Fahrzeug angekauft wurde.

Ein ganz anderes Bild bietet sich im Sommer. Dann ist die Passhöhe nicht nur beliebtes Ziel für Biker, sondern insbesondere auch Ausgangspunkt für Wanderungen, einerseits zum Monte Gambarogno, andererseits aber auch zum Monte Tamaro und für ausdauernde Wanderer bis zum Monte Lema im Malcantone. Der Cacciamali-Kleinbus hat die 1200 Höhenmeter Anstieg seit dem Seeufer mit seinem Mittagskurs gleich geschafft, im Hintergrund reicht der Blick durch das Verzascatal bis zur Staumauer des Lago di Vogorno.

Bevor das Dorf Indemini dann aber tatsächlich erreicht ist, geht die Fahrt noch einige Kilometer weiter: Indemini ist das oberste Dorf im nach Maccagno (am unteren Lago Maggiore) ausgerichteten Vedascatal – und auch das einzige in der Schweiz. Der Bus ist (wenn man ihn im Bild denn findet) unterwegs bergwärts zwischen Indemini und Monti d’Indemini…

…wobei er auf der schmalen Strasse vom Dorf auf 937 Höhenmetern immerhin nochmals 450 Höhenmeter bis zur Passhöhe zu überwinden hat.

Während einigen Jahren wurden auch die Kurspaare von PU Domenighetti mit einem grösseren Fahrzeug gefahren, das dann von der Regie Bellinzona entbehrt werden konnte. Dazu kam in einzelnen Jahren ein zusätzlicher Wanderer-Kurs, welcher den Ankömmlingen vom Monte Tamaro her einen dichteren Takt zum Talboden bot. So war beispielsweise im Sommer 2011 die Aufnahme gleich zweier 9.7-Meter-Midibusse in Indemini möglich, während im Winter ein 2x täglich verkehrender 15-Plätzer ausreicht.