Letztes Update: 1. März 2025, 16:10
Im Dorf Scuol, Kern der per 2015 fusionierten Grossgemeinde mit gleichem Namen, bietet Postauto seit langem einen Ortsbus an. Das Angebot wird inzwischen praktisch ganzjährig betrieben, wobei in der Zwischensaison ein reduzierter Fahrplan mit einer Linie gilt, im Winter dagegen zwei separate Linien betrieben werden. Die Busse beginnen in jedem Fall am RhB-Bahnhof, wo sie eine separate Haltekante direkt parallel zur Bahn und mit kurzem Fussweg zu den Bergbahnen nutzen können.
Die Linie 901 (oder früher einfach «1») bedient im Winter halbstündlich, in Spitzenzeiten sogar viertelstündlich, den Dorfteil unterhalb der Haptstrasse; die Runde beginnt allerdings mit einer kurzen Stichfahrt ins Quartier Brentsch/Tulai mit seinen Wohnblöcken und Ferienanlagen aus den 1960er/1970er-Jahren.
Danach wird mit einem steilen Abstieg der 100 Höhenmeter unterhalb des Bahnhofs gelegene untere Dorfkern (Scuol Sot – unteres Scuol) erreicht. Dabei passieren sie auch die 1905 erstellte Gurlaina-Brücke, welche für Fussgänger eine rasche Verbindung vom Dorf ins Gurlaina-Quartier ermöglicht – im Ortsteil südlich des Inns liegen vor allem Ferien- und Sportanlagen, aber auch ein Werkhof.
Im Winter ist die anschliessende Fahrt durch den historischen Teil für die Chauffeure der niederflurigen Standardbusse mit viel Konzentration verbunden, werden doch die alten Pflasterstrassen nicht schwarz geräumt. Unweit vom Dorfplatz – die Haltestelle heisst im lokalen rhätoromanischen Idiom ganz einfach «Plaz» - ist dieser Citaro unterwegs durch eine der Engstellen.
Östlich des Kerns im Quartier Runà wechselt die Siedlungsstruktur dann merklich – Wohnblocks bieten günstigere Ferienwohnungen und Wohnraum für Einheimische, es ist inzwischen der am dichtesten ganzjährig besiedelte Teil der Gemeinde. Der Citaro erklimmt nun die Steigung hoch zur Hauptstrasse….
…und fährt so wieder zurück Richtung Bahnhof, wobei dieser Abschnitt zusammen mit der Linie 902 befahren wird. Im Bild ist der Bus der Linie 902 bei der Haltestelle Belvedere unterwegs; mit Coop, weiteren Läden, Bad und den grössten Hotels im Dorf ist die Stradun («Grosse Strasse») die Hauptachse im Dorf und führt als eigentliche Promenade hoch über dem Dorfkern den Berg entlang. Seit dem Bau der Umfahrungsstrasse (1963 eingeweiht) ist der Durchgangsverkehr aus dem früher engen Dorfkern verschwunden.
Die Linie 902 bedient den Dorfteil oberhalb der Stradun; dabei machten sich die Planer auch die Umfahrungstrasse zunutze, welche seit ca. 2010 mit einer zusätzlichen Ein- und Ausfahrt ermöglicht, dass die Standardbusse mit zwei Haltestellen den oberen Dorfteil komfortabel anbinden können. Im Bild hat der Bus gerade eben die Umfahrung verlassen und die Haltestelle Pratuor bedient.
Auch das Regionalspital liegt an dieser Strecke, es wird mit einer eigenen Haltebucht an der Umfahrungsstrasse durch den Ortsbus bedient. Auch die Linie 902 fährt halbstündlich und in Spitzenzeiten viertelstündlich – in der Zwischensaison wird nur ein einziger, halbstündlicher Rundkurs angeboten, der zuerst entlang der Linie 902 den oberen und dann, anstatt zum Bahnhof hochzufahren, auch noch den unteren Rundkurs der Linie 901 bedient. Die Linie trägt dann die Linie 900.
Seit der Saison 2024/2025 bedient die Linie 901 auch den Weiler Nairs im Talgrund des Inns – die sechs Kurspaare sind je nach Zeit mit dem Umlauf der Linien 901 oder 902 verknüpft, auch wenn sie nummerisch der ersteren zugeordnet sind. Im Bild erreicht der letzte Nachmittagskurs, soeben von der Hauptstrasse abgebogen, die ersten Gebäude der ab 1864 erstellten Kuranlage im schattigen Talboden – heute ist das Areal unter anderem ein Schauplatz für Kunstausstellungen. Die Buslinie von Scuol nach Tarasp, welche das Areal noch bis 2010 bediente, führt über die dann eröffnete Hochbrücke Scuol–Vulpera am Areal vorbei, ist doch die Strasse auf der gegenüberliegenden Talseite zusammen mit der historischen Trinkhalle stark steinschlaggefährdet.