Letztes Update: 13. März 2025, 21:04
Samnaun Post auf rund 1800 Metern über Meer ist der Endpunkt einer eineinhalbstündigen Postautofahrt, welche Ftan oberhalb Scuol mit diesem Zoll-Ausschlussgebiet am äussersten Rand der Schweiz verbindet. Erst seit Dezember 2022 fahren die Busse der Linie 921 tatsächlich stündlich direkt – zuvor musste jede zweite Stunde in Martina auf den Midibus vom einheimischen PU Jenla umgestiegen werden. Einer dieser beiden Solaris 8.9LE wartet im Bild bei der am Ortseingang von Samnaun-Dorf gelegenen Post auf seine nächste Abfahrt talauswärts.
Die Direktkurse ab Scuol werden im Sommer mehrheitlich mit Standardbussen des Typs Citaro LE oder Crossway LE gefahren – auch dann noch, wenn das Wetter, wie auf dieser Aufnahme im Oktober 2018, wenig mit Sommer zu tun hat. Während vor allem am Samstag auch bei schlechtem Wetter ein reger Verkehr zwecks Zollfrei-Shopping besteht, ist der Citaro LE an diesem Sonntag bei Samnaun-Ravaisch praktisch leer unterwegs taleinwärts.
Im Winter werden vorwiegend die (im Sommer auf den Saisonlinien nach S-Charl und Val Sinestra eingesetzten) Midibusse der Regie Scuol nach Samnaun eingesetzt – die Standardbusse werden dann in Scuol im Wintersportverkehr benötigt, und räumungsbedingte Schneehaufen in den Dörfern machen den Standardbussen in Samnaun das Leben schwer. In der engen Ortsdurchfahrt von Compatsch ist ein Setra 412UL unterwegs taleinwärts – er wird in Kürze eine enge Linkskurve vollführen, welche die Standardbusse je nach Schneesituation nur mit zweimaligem Ansetzen bewältigen können. Compatsch ist das unterste der fünf Dörfer und eines von nur zwei, das von den Bussen der Linie 921 direkt bedient wird (in den übrigen ist die Ortsdurchfahrt für Standardbusse zu eng).
Nach Compatsch auf 1700 Metern über Meer gilt es die mindestens 650 Höhenmeter ins Inntal zu überwinden, was auf zwei Wegen möglich ist. Bis Ende 2022 ging die Fahrt zweistündlich über die Schweizer Strasse via Acla da Fans hinunter nach Vinadi. Mehrere steile Rüfen wurden auf der 1912 erbauten ersten Fahrstarsse nach Samnaun mit kurzen Tunnels bzw. Galerien unterquert, in denen für die eingesetzten Midibusse nur wenige Zentimeter Platz bleibt. Zu Hochflur-Zeiten mussten die Karosserien der Busse extra an diese Situation angepasst werden – dieser MB O303 mit Lauber-Aufbau biegt gerade in das Val Cotschna ein; im Hintergrund ist eine Galerie der österreichischen Strecke zu erkennen.
Seit 2011 wird die Samnauner Strasse massiv ausgebaut; die vier engen Felstunnels werden durch doppelspurige Tunnels mit grösserem Radius ersetzt. Mit dem Val Pischöt wurde 2017 der erste neue Tunnel eröffnet, die verbleibenden drei folgen sukzessive und werden der Strasse, zusammen mit mehreren Lehnenviadukten, ihren heutigen Charme weitgehend abnehmen. Ob die Investition angesichts der breiten und nur wenig längeren Strecke über Österreich notwendig ist, lässt sich durchaus hinterfragen – zumindest die Postautos machen seit Ende 2022 einen Bogen um die Strecke, um den neuen Anschlussknoten in Pfunds stündlich anzubinden, aber auch, um die häufigen Verspätungen aufgrund der Tunnelbaustellen zu umgehen. Bilder wie dieses gehören somit der Vergangenheit an - der Wagen befährt hier gerade das Cotschna-Tunnel und wird nach zwei weiteren Tunnel die Acla da Fans erreichen, das unterste Zollfrei-Shoppingcenter im Tal.
Seit Dezember 2009 fahren erste Direktkurse zwischen Scuol und Samnaun – welche mangels zusätzlicher für die Schweizer Strasse tauglicher Fahrzeuge stets den Weg über Österreich nahmen. Seit Dezember 2012 gilt so ein Stundentakt Scuol–Samnaun, wobei bis Ende 2022 noch abwechselnd direkt über Österreich oder mit Umstieg über die Schweizer Strecke gefahren wurde. Seither fahren alle Kurse über Spiss und Pfunds – im Bild ist ein Iveco Crossway 10.9LE beim Weiler Gstalda auf österreichischem Boden unterwegs talauswärts.
Seit Einführung des Postauto-Stundentaktes über die österreichische Strasse Ende 2022 fahren einige Postautokurse – morgens bergwärts und abends talwärts – auch mit einer kurzen Stichfahrt ins Dorf Spiss, um Skifahrer nach Samnaun und wieder zurück zu bringen. Ansonsten wird das kurze Strassenstück auch durch die wenigen verbliebenen Tiroler Buskurse Pfunds – Spiss befahren, welche vor allem den Schüler- und Pendlerverkehr abdecken. Der PostAuto-Stundentakt ab der Hauptstrasse unterhalb des Dorfes liegt weit über dem Niveau, das die Tiroler (und wohl im Zweifelsfall auch die Schweizer) Angebotsstandards für ein abgelegenes Dorf dieser Grösse vorsehen würden. Im Bild hat ein Crossway auf Bergfahrt gerade zu oberst im Dorf gewendet und fährt nun an der Kapelle vorbei zurück zur Hauptstrasse und weiter nach Samnaun.
Den Talboden erreichen die Kurse schliesslich beim Weiler Kajetansbrücke auf Boden der Gemeinde Pfunds. Rund einen Kilometer ausserhalb verzweigen sich hier die Strassen ab Landeck nach Samnaun, Nauders und Richtung Schweiz – und seit Ende 2024 besteht auch eine einigermassen zeitgemässe Halte-Anlage, welche kurze Wege erlaubt. Trotzdem ist es vergleichsweise selten, dass tatsächlich mehrere Busse gleichzeitig hier stehen, die meisten Anschlüsse bedingen einige Minuten Wartezeit.
Bei Vinadi erreichen auch die Busse über Österreich wieder Schweizer Boden – wobei der Weiler, wie das ganze Samnaun und ein mehrerer Kilometer langer Abschnitt der Inntalstrasse, weder im Schweizerischen noch im Österreichischen Zollgebiet liegt. Der Bus im Bild hat über die alte Strasse den Weiler, der in erster Linie aus einem Restaurant besteht, erreicht – trotz seiner geringen Grösse hat er einen zweisprachigen Namen, nebst dem Rhätoromanischen Vinadi war früher auch das deutschsprachige Weinberg geläufig.
Es folgt eine eindrückliche Schlucht, durch die bis vor wenigen Jahren noch noch der Inn rauschte – mit dem Bau eines neuen grenzüberschreitenden Staudamms sind diese Zeiten allerdings vorbei, und unterhalb des Sees wird vom Inn nur ein kleines Restwasserbächlein übrigbleiben. Auch die Strasse entlang des neuen Sees musste verlegt werden und wurde bei dieser Gelegenheit auch deutlich verbreitert – wobei die Arbeiten im Sommmer 2023 noch am Laufen waren und dem Fotografen eine schwierige Stellensuche bescherten…
Schliesslich wird nach einer Fahrt entlang der Grenze in Martina auf 1035 Metern über Meer wieder die zollrechtliche Schweiz erreicht, und bei den Midibuskursen musste hier stets umgestiegen werden. Noch bis Ende 2023 bestand hier auch ein Anschlussknoten: Der Setra 415UL vom Autobusbetrieb SAD wird über das österreichische Nauders und den Reschenpass nach Mals im italienischen Vinschgau fahren, der fast fabrikneue Crossway der Firma TLB (zweistündlich) als Eilkurs durch das Oberinntal nach Landeck-Zams mit Anschluss an den Railjet nach Wien. Hinter dem Crossway in Richtung Scuol und Ftan steht noch ein zweiter Regiewagen in Richtung Samnaun bereit. Heute treffen sich hier nur noch die Postautos beider Richtungen, wobei je nach Verspätungssituation – im Inntal wird oft gebaut – nicht mal das gelingt.
Die Verbindung nach Nauders führt somit heute stets über den Umweg über Pfunds – die direkte Verbindung von Martina über die Norbertshöhe nach Nauders wird aktuell durch den ÖV nicht befahren. Von Ende 2009 bis Ende 2012 war die Strecke nicht nur regelmässig durch den ÖV bedient, sogar Teil des Postauto-Netzes, die Verbindungen ab Scuol wurden während dieser drei Jahre zweistündlich nach Nauders verlängert und machten dort Anschluss nach Landeck und über den Reschenpass nach Mals. Im Bild wartet ein Setra 313UL der Regie bei der Endhaltestelle Mühle auf die Abfahrtszeit zurück in die Schweiz.
Ab Martina fahren stündlich Kurse der Regie talaufwärts bis Scuol, wobei morgens, mittags und abends inzwischen ein Halbstundentakt angeboten wird. Die Busse bedienen dabei auch die Dörfer von Strada und Ramosch, von wo aus Kleinbuslinien nach Tschlin bzw. Vnà abzweigen. Im Bild hat der Citaro, unterwegs talwärts Richtung Martina und Samnaun, gerade die Haltestelle Strada, Cuncalada, erreicht, wo der Kleinbus nach Tschlin wartet.
Diese Linie fährt ungefähr stündlich – aber mit grossen Lücken – hinauf ins Dorf Tschlin, das inzwischen dank innovativem Hotelkonzept, Brauerei und der bekannten Musikgruppe Ils Fränzlis da Tschlin eine gewisse Berühmtheit hat. Abgesehen von einigen Gruppen reicht aber der Kleinbus immer noch für die Nachfrage aus – immerhin könnte hier auch mit einem Midibus aus Scuol gefahren werden, ist doch die Strasse gut ausgebaut. Welchen Höhenunterschied die Busse in etwas mehr als 10 Minuten überwinden, wird mit dieser Aufnahme deutlich, die den Bus auf halbem Weg zeigt und an deren Rändern sowohl Tschlin als auch Strada erkennbar sind.
Auch die im benachbarten Vnà abzweigenden Kleinbusse nach Ramosch haben einige Höhenmeter zu überwinden, ganz so viele wie nach Tschlin sind es aber nicht; der Kleinbus hat gerade im Dorf am Eingang zum Val Sinestra gewendet und rollt nun wieder talwärts Richtung Ramosch. Im Gegensatz zur Linie nach Scuol reicht der Platz zum Wenden im Dorf nicht für einen Standardbus, und so bleibt der Kleinbus hier praktisch alternativlos. Beide Linien werden übrigens seit langer Zeit durch die Regie bedient, mindestens die Strecke nach Vnà war aber bis in die 2000er-Jahre noch eine der damals zahlreichen Ein-Mann-Postautohalter-Linien im Bündnerland und wurde von der Familie Zanetti bedient.
Der Setra 412UL hat im Nachbardorf Ramosch den Anschluss aus Vnà abgenommen und fährt vorbei an der herbstlichen Ebene talaufwärts Richtung Bezirkshauptort. Das nächste Dorf, Sent, wird durch die Kantonsstrasse umfahren und von Scuol mit einer Separaten Buslinie angebunden; die 921er-Busse bedienen nur die Haltestelle Crusch bei der Abzweigung dorthin.
Rund 20 Minuten nach Martina wird der Hauptort Scuol erreicht. Das Dorf mit seinen stattlichen Engadiner Häusern ist als Badekurort seit Jahrhunderten bekannt, heute wird das gesunde Wasser gern auch mit Wandern oder Skifahren kombiniert. Der Crossway hat das Bäderquartier mit der Haltestelle Bogn Engiadina verlassen und überquert gerade die Clozza, die das Dorf in zwei Hälften teilt.
Je einmal pro Richtung bedient die Linie 921 an Schultagen auch das Schulhaus von Scuol, etwas unterhalb des Bäderquartiers gelegen. Wegen der engen Durchfahrt durch den Ortskern wird dafür in der Regel ein Midibus eingesetzt – hier mit dem Mittagskurs vor der Abfahrt Richtung Bahnhof.
Am Bahnhof Scuol besteht Anschluss an die Rhätische Bahn, die mit zwei kurz hintereinander fahrenden Zügen sowohl das Oberengadin mit Ziel Pontresina als auch das Nordbünden anbindet. Die Postautos begegnen sich stündlich in einem Taktknoten mit Kursen nach Sent, Tarasp, Ftan und Martina; die seit langem betrieblich durchgebundenen Linien 921 (Martina – Ftan) und 923 (Sent – Tarasp) tragen seit Ende 2020 auch dieselbe Liniennummer. Heute sind Niederflur- und LE-Autobusse im Gebiet Standard – ein Umlauf auf der Linie 921 wird seit Ende 2022 von PU Jenal, Samnaun, mit Citaro LE gefahren, womit auch ganzjährig mindestens ein Standardbus auf der Linie zirkuliert. Das Fahrzeug ist hier im Bild zu vorderst zu sehen.
Nach der Bedienung des Taktknoten ist Ftan das Ziel der Linie 921, das nach 10 Minuten und 350 Höhenmetern erreicht ist. Das Dorf lebt nebst dem Tourismus vor allem vom Schulinstitut, einer international ausgerichteten Sportschule, die eher wohlhabenden oder zumindest sehr sportbegabten Jugendlichen vorbehalten ist. Das schöne Alpenpanorama mit dem Piz Lischana (3105) kann hingegen jedermann bestaunen, und als Bonus zu Scuol bleibt auf der Geländeterrasse auch die Sonne länger über dem Horizont. So fährt der Bus in der Saison inzwischen zeitweise halbstündlich über die steile Strasse von Scuol hinauf, wie hier dieser Crossway LE wenig unterhalb der Ortseinfahrt (Foto: Silvan Pleisch).
In Gegenrichtung ist hier ein Volvo 7900LE vor der Kulisse des schmucken Dorfes zu erkennen – es ist auch ein Neben-Einstiegspunkt zum Skigebiet von Scuol, die in der Schweiz fast zwangsläufig dazugehörenden, weniger schmucken Ferienhausanlagen sind aus diesem Blickwinkel gut versteckt. Die Volvos wurden nach Kurzer Zeit in Scuol wieder ersetzt und zu anderen Standorten verschoben, um Platz zu machen für eine reine Iveco-Midibusflotte. Foto: Silvan Pleisch.
Für diejenigen Schüler, die nicht im institutseigenen Internat übernachten, fährt am Morgen ein Postauto ab der Post Ftan weiter bis zum hochalpinen Institut – vor allem bei Neuschnee eine nicht ganz einfache Übung für das Fahrpersonal, die bei besonders rutschiger Strasse auch mal nicht angetreten wird. An diesem frühen Wintermorgen hat der Chauffeur die Herausforderung hingegen angenommen – in wenigen Metern wird der Bus sein Endhaltestelle erreichen, die Anzeige ist bereits für die anschliessende Dienstfahrt umgestellt. Während die Fahrt im Sommer üblicherweise vom Citaro LE von PU Jenal, Samnaun, bewältigt wird, ist dies im Winter nicht möglich – der Citaro fährt dann nach Tarasp, während ein Regie-Midibus nach Samnaun hochfährt. Am Nachmittag müssen die Schüler übrigens den Abstieg zu Fuss bewältigen – angesichts des Rufs der Schule als Talentschmiede für Spitzensportler wohl eher eine Nebensache für diese.