Letztes Update: 31. Oktober 2023, 10:51
Ein grosses und ziemlich komplexes Bussystem bedient das so genannte «Fürstenland», die Region zwischen Wil, Uzwil, Gossau und Bischofszell. Ab dem Bahnhof in Wil SG führten zeitweise vier Linien nach Uzwil; Inzwischen wurde das Angebot jedoch systematisiert und stabilisiert, so dass heute nur noch zwei Postautolinien direkt nach Uzwil fahren, und dies um 15 Minuten versetzt. Im Bild warten die Busse der Linien 730 (via Jonschwil) und 726 (via Henau) nach Uzwil noch direkt nebeneinander auf dem seit Jahren zu kleinen Bushof von Wil auf die Abfahrt; in wenigen Jahren soll hier ein behindertengerechter und ausreichend grosser Bushof gebaut werden.
Am anderen Ende der Linien, in Uzwil, befindet sich ebenfalls ein kleiner Knoten. Die Bahnanschlüsse sind hier jedoch so verteilt, dass nie mehr als vier Busse gleichzeitig am Bushof sind. Im Bild warten die Solaris-Busse der Linien 745 (Ortsbus), 741 (nach Flawil) und 730 (via Jonschwil nach Wil) auf Anschlüsse und Abfahrtszeit – alle der Fahrzeuge gehören zur Schmidt AG, Oberbüren, welche das Gros der Leistungen im Fürstenland mit einer hauptsächlich aus Solaris-Autobussen bestehenden Flotte bedient.
Die Linie 730 Wil – Jonschwil – Uzwil bedient hauptsächlich die Gemeinde Jonschwil, welche nebst dem gleichnamigen Dorf auch das danebenliegende Schwarzenbach bedient. Bis Dezember 2013 gab es hier einen Bahnhof, welcher durch die S1 (Wil – St. Gallen) bedient wurde; seither ist das Postauto die Haupterschliessung für das Dorf. Der Bus der Linie 730 verlässt auf einer Brücke über die Thur das Dorf und fährt auf der anderen Seite des Flusses weiter stadteinwärts nach Wil. Lange Zeit wurde die Linie zwischen Wil und Jonschwil in Lastrichtung verstärkt – inzwischen fährt die ganze Linie halbstündlich (am Wochenende stündlich).
In Jonschwil, dem einstigen Sitz des PU Schmidt, absolvieren die Busse eine Schlaufenfahrt durch das Dorf, welches von der Hauptstrassenverbindung nur am unteren Rand bedient wird. Der Volvo 8700LE (eines der letzten Exemplare aus 2011) hat die Haltestelle Winkel zuoberst im Dorf bedient und fährt nun über schmale Dorfstrassen vorbei an der Kirche zurück zur Haltestelle Kreisel an der Hauptstrasse.
Die anderen derzeit drei Postautolinien ab Wil mit Nummern 724-726 führen alle über Zuzwil. Dort wurde im Dezember 2018 eine neue Umsteigehaltestelle «Industrie» eingerichtet, da aufgrund der geänderten Fahrlagen nicht mehr alle Linien bis/ab Wil fahren. Von der Linie 727 auf die Linie 726 wird neu umgestiegen – im Bild hat der Volvo 8700LE auf der Linie 726 den leicht verspäteten 727er abgewartet, welcher gleich über eine Nebenstrasse wenden und seinerseits den Anschluss aus Will abwarten wird.
Zwischen Wil und Zuzwil bestehen verschiedene Fahrwege. Die Linie 726 fährt in Wil über die Altstadt und den Spital stadtauswärts – hier bei der Haltestelle Adler – um danach die verlorene Zeit über die Hauptstrasse wieder aufzuholen…
…und bei der Haltestelle Post wieder auf die Linien 724 und 725 zu treffen, mit welcher auch die Haltestellen Gemeindehaus und Industrie geteilt werden. Das Bild zeigt einen Bus der Linie 725 im Dorfkern des in den letzten Jahrzehnten um ein mehrfaches gewachsenen Dorfes.
Weiter führt die Linie 726 über Henau nach Uzwil. Kaum noch bekannt ist heute, dass Henau der eigentliche Siedlungskern der heutigen Gemeinde Uzwil ist – der einstige Weiler Niederuzwil wurde erst im Zuge der Autobahnanbindung zum grösseren und später Namensgebenden Teil der grossen Gemeinde. Der Citaro Facelift – zwei solche Wagen wurden 2013 beschafft und zwei Jahre darauf im Rahmen einer Flottenbereinigung an die Regie weitergegeben – hat das Dorf Henau verlassen und fährt über die Ebene weiter Richtung Niederuzwil. Von 2015 bis 2018 fuhr hier auch PU PAUT, Lütisburg im Durchlauf auf die Linie 741 nach Flawil – im Rahmen einer Neuzuteilung Ende 2018 wurden diese Fahrten jedoch wieder abgegeben.
In Uzwil führt die Linie 726 seit Dezember 2018 über die Gupfenstrasse; diese zweite Achse erschliesst ein Grossteil der Einwohner von Niederuzwil und ist deshalb inzwischen punkto Nachfrage der historischen Busachse über Marienfried gleichwertig geworden. Bei der Haltestelle Gemeindehaus ist ein Solaris unterwegs Richtung Wil und wird kurz darauf die Haltestelle Coop bedienen…
…wo diese Aufnahme in Gegenrichtung entstand. Der gute Ausbaustandard der Strasse zeigt auch ihren Zweck als Zubringer zur Autobahn, welche den Siedlungskern rund um die Haltestelle Marienfried entlasten soll.
Ab 2011 erhielt Uzwil einen eigenen Ortsbus, welcher bis 2018 die Strecke Waldhof – Bahnhof – Gupfenstrasse – Gaswerk bediente. Der Dezember 2018 brachte ein neues Konzept, die Strecke Bahnhof – Gaswerk wird jetzt durch die aus Flawil kommende Linie 741 bedient (welche bis Niederuzwil durch die Linie 726 verdoppelt wird). Mit der Änderung gelangen nun halbstündlich Standardbusse zur Endhaltestelle Gaswerk, wobei ein Umlauf von PU PAUT, Lütisburg, bedient wird. Beim Bus im Bild handelt es sich dagegen um einen der vierzehn Urbino 12 von PU Schmidt, der Bus hat gerade die Haltestelle Gaswerk verlassen und ist unterwegs zurück zum Bahnhof und weiter nach Flawil.
Auch der Waldhof-Linienast wird jetzt mit Standardbussen der Linie 726 bedient. Im von Wohnblocks aus den 1970er- und 1980er-Jahre geprägten Quartier ist dieser Bus unterwegs zurück zum Bahnhof, wo er ohne Standzeit weiter über die Gupfenstrasse und Henau nach Wil fahren wird.
Nicht mehr bedient wird im neuen Konzept die Haltestelle Säntisstrasse, da die entsprechende Strecke durch Standardbusse nicht ohne weiteres befahren werden kann. Der kleine Urbino 8.6, von 2011-2018 Stammfahrzeug auf dem Ortsbus, ist unterwegs Richtung Bahnhof und Gaswerk, als er eine der wenigen breiteren Stellen, wo ein Kreuzen mit PW möglich ist, passiert.
Weiter zur Linie 725; auch diese Linie bediente einst die Strecke von Wil nach Uzwil, fuhr allerdings über Niederhelfenschwil und Sonnental und brauchte für ihren ausgedehnten Umweg fast eine Stunde Fahrzeit. Im Dezember 2013 wurde die Linie dann nach Gossau SG umgeleitet und nach Fahrzeitproblemen schliesslich Ende 2015 auf den Abschnitt Wil – Niederhelfenschwil verkürzt. An der Endhaltestelle Neudorf wartet ein Volvo 8700LE seine Abfahrtszeit für die Rückfahrt nach Wil ab.
Die Linie 725 (und die Linie 724, welche im Abschnitt Wil – Zuckenriet die Linie zum Halbstundentakt verdichtet) fährt in Wil über eine andere Achse als die Linie 726. In Zuzwil wird der Ortsteil Züberwangen bedient, der in den letzten Jahren von ein paar Einzelhöfen zu einem ausgedehnten Einfamilienhausgebiet angewachsen ist, das aufgrund seiner langgezogenen Form von mehreren Haltestellen bedient wird. Der Citaro Facelift ist unterwegs auf der (damals noch bis Gossau führenden) Linie 725 unweit der Haltestelle Zentrum. Die Linie 726 bedient Züberwangen nur mit der an der Hauptstrasse gelegenen Haltestelle St.Gallerstrasse.
In Wil fahren die Busse der Linien 724 und 725 über die St.Gallerstrasse, welche im Gegensatz zur von der Linie 726 bedienten Fürstenlandstrasse Altstadt und Spital links liegen lässt. Die Altstadt ist rechts oben im Bild zu erkennen, während der Bus der damals noch bis Wil führenden Linie 727 die Haltestelle xxx passiert.
In Zuckenriet, ebenfalls zu Niederhelfenschwil gehörend, hat sich in den letzten Jahren ein Anschlussknoten etabliert. Ursprünglich als Notlösung gedacht, um den instabilen Fahrplan der «Neuen» Linie 725 2014 zu stabilisieren, führten vorübergehend Shuttlekurse von hier nach Niederhelfenschwil, meist mit einem verkürzten Volvo 8700LE geführt. Seit Dezember 2018 kann nun hier von der Linie 728 Uzwil – Zuckenriet auf die Linie 725 nach Wil und Niederhelfenschwil umgestiegen werden. Im Bild wartet ein inzwischen ausrangierter Volvo 8700LE als Shuttlekurs nach Niederhelfenschwil auf den Stammkurs aus Wil.
Einst führte die «Ur-725» von Zuckenriet weiter über eine Stichfahrt nach Sonnental, um dann in Oberbüren wie im Bild dokumentiert die Thur zu überqueren und weiter nach Uzwil zu fahren. Heute wird die Verbindung Zuckenriet – Uzwil durch die stündliche Linie 728 erbracht (in der Hauptverkehrzeit bis Oberbüren durch die ebenfalls stündliche Linie 724 verdichtet). Auch der Setra 315NF ist längst Vergangenheit, das letzte Fahrzeug dieses Typs wurde im Fürstenland 2011 ausrangiert.
In Oberbüren hat sich ebenfalls ein kleiner Anschlussknoten etabliert, wobei im Gegensatz zu Zuzwil die Infrastruktur bisher nicht an diese Gegebenheit angepasst wurde. Anschlüsse bestehen hier einerseits von den Linien nach Uzwil zu den Tangentiallinien 727 (Gossau – Zuzwil) und 724 (Niederbüren – Wil), andererseits aber auch zwischen diesen Tangentiallinien. Im Bild treffen sich ein Bus der Linie 740 (Uzwil – Bischofszell) und der Linie 727 (Zuzwil – Gossau), um gegenseitige Anschlüsse anzubieten. Der Bus der Linie 740 nimmt auch die Fahrgäste aus Niederhelfenschwil auf, welche von der bereits weitergefahrenen Linie 728 gebracht wurden.
Ab Oberbüren bis Uzwil wird die Linie 728 durch die Linie 740 zum Halbstundentakt verdichtet. Beide Linien nehmen in Uzwil noch den «klassischen» Weg über Marienfried und vorbei an der grossen Maschinenbaufirma Bühler. Deren Schienenzugang führt mit einer starken Steigung vom SBB-Bahnhof talwärts und quert dann die Bahnhofstrasse; der Bus hat den mit Lichtsignalen gesicherten Bahnübergang vor 100 Metern überquert und fährt nun weiter Richtung Bischofszell.
Eine Art Tangentiallinie stellt die 727 dar; sie führt ab Zuzwil über Sonnental, Oberbüren und Niederwil weiter nach Gossau SG, wo Anschluss von/nach Zürich und St.Gallen besteht. Streng genommen handelt es sich um zwei Linien, stehen doch die Busse mehrere Minuten in Oberbüren, wo Anschluss von und nach Uzwil abgewartet wird. Bis im Dezember 2018 fuhren die Busse noch bis/ab Wil, und so wird auch dieser Citaro ab Zuzwil weiter ins Regionalzentrum fahren. Der Bus hat die in der Ebene der Thur gelegene Siedlung Sonnental bedient und erklimmt nun die Steigung hinauf nach Zuzwil.
In Gossau SG sind die Busse der Linie 727 inzwischen die einzigen Postautos, nachdem die Linie aus Engelburg bis Abtwil und diejenige aus Waldkirch bis Arnegg verkürzt wurden. Flankiert von einem MAN A40 des lokalen Unternehmens Regiobus macht sich ein Volvo 8700LE der 2015 ausrangierten Serie aus 2002 auf den Rückweg ins «Postauto-Land», der ihn nach dem damals gültigen 2014er-Fahrplan über Oberbüren und Zuckenriet nach Wil führen wird.
Unterwegs liegt auch das Dorf Niederwil, zu Oberbüren gehörend. Die Linie von Gossau bis Oberbüren wurde während langen Jahren eigenständig geführt, einst durch den dortigen Postauto-Unternehmer Keller, dann durch Regiobus und schliesslich durch PU Schmidt. Erst 2013 wurde die Linie dann mit Durchbindungen in das übrige Fürstenländer Netz integriert. Heute fahren die Busse ganztags stündlich bis Zuzwil, in Randstunden zeitweise verknüpft bis und ab Wil. Zwischen Gossau und Niederwil gilt von Montag bis Freitag der Halbstundentakt. Der Bus im Bild hat das Dorf Niederwil verlassen und fährt nun parallel zur Autobahn (im Rücken des Fotografen) weiter Richtung Gossau, wo er auch viele innerorts-Reisende aufnehmen wird.
Die vorhin schon angesprochene Linie 740 verbindet Uzwil über Ober- und Niederbüren mit Bischofszell. Es ist dies die letzte Verbindung (die einstige Linie Wil – Bischofszell wurde 2013 aufgehoben) in den einstigen Regiestandort, der um die Jahrtausendwende in den damaligen PU Buner+Schmidt, Jonschwil/Bischofszell, integriert wurde. Am alten Bushof (der Umbau ist derzeit in Planung) begegnen die Solaris-Standardbusse von PU Schmidt auch den Midibussen von PU Mock, St.Pelagiberg.
Die Fahrt zwischen Niederbüren und Bischofszell führt durch das Sorntal mit seinen alten Textilbetrieben und der Eisenbahnbrücke der SBB-Linie Gossau – Sulgen. Der Bus ist unterwegs in Richtung Uzwil und erreicht in Kürze den Weiler Sorntal, zu Niederbüren gehörend.
Niederbüren wird in Spitzenzeiten nebst der Linie 740 auch von zwei weiteren Linien bedient: Die Linie 727 aus Gossau und die Linie 724 aus Wil werden hierhin verlängert und dort auch verknüpft, um dem Dorf einen Halbstundentakt von und nach St.Gallen zu ermöglichen, seit der Bahnanschluss in Bischofszell weggefallen ist. Der Solaris ist kurz zuvor aus Gossau kommend schon einmal an der Haltestelle Nellen vorbeigefahren und ist jetzt mit Liniennummer 724 unterwegs über Oberbüren und Zuckenriet nach Wil. Im Hintergrund ist die Kirche von Niederbüren zu erkennen, welche auf einem Hügelausläufer thront.